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Sonntagsbrief zum 7. Sonntag nach Trinitatis, 18. Juli 2021

17. 07. 2021

Wochenlied: EG 418 Brich dem Hungrigen dein Brot
Brich dem Hungrigen dein Brot.
Die im Elend wandern,
führe in dein Haus hinein;
trag die Last der andern.


Der da ist des Lebens Brot,
will sich täglich geben,
tritt hinein in unsre Not,
wird des Lebens Leben.
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Die biblische Geschichte aus dem Alten Testament für diesen Sonntag ist nachzulesen in 1. Könige 17. Es geht um den Propheten Elia und zwei Wunder: Ein Brotwunder für eine Witwe in der Zeit einer Hungersnot und um ein Heilungswunder. Alle Texte des Sonntags handeln vom Teilen des Brotes.

 

Manchmal geht ein Stückchen Vertrauen ins eigene Leben verloren:
Dann drehen sich die „Grübelschlaufen“ in der Nacht.
Dann legt sich plötzliche Angst auf die Brust. Angst vor den „ach so wichtigen“ (und noch viel mehr unwichtigen) Aufgaben.
Es schleicht sich ein rätselhaftes Verlorenheitsgefühl ein – und das vielleicht sogar obwohl einem den ganzen Tag viele Menschen begegnet sind!


Am Morgen stellt sich dann das Wunder ein, oft nicht als solches erkannt: Ach schau, auch heute wird es wieder hell!
Im Kühlschrank hat erstaunlicherweise kein nächtlicher Dieb die Lieblingsmarmelade aufgegessen.
Und eine ungeplante Begegnung zwischen Tür und Angel schenkt ein Lächeln oder ein gutes Wort.


Woran erkenne ich ein Wunder? Was ist ein Wunder?
Die uralte Geschichte von Elia und der Witwe erzählt etwas über das Wunder menschlichen Vertrauens und rettender Begegnung:


Eine Hungersnot herrscht im alten Israel.
Gott soll sie geschickt haben. Ob Gott Hunger schickt?? So oder so: Es herrscht nicht nur Trockenheit, es herrscht eine Vertrauenskrise!


Bis hinauf an den Königshof herrscht Durcheinander und Ungewissheit: Welchen Gott beten wir an? Worauf setzen wir? Wem schenken wir vertrauen? Hungersnot und Vertrauenskrise gehören zusammen.


Einer legt den Finger in die Wunde, spricht vom Hunger und beklagt die Vertrauenskrise: Elia, der Prophet, wird in der Krise von Gott selbst am Leben gehalten, sogar in der Wüste. Er soll wieder Vertrauen bringen. Dafür ist unterwegs durchs weite Land.


Auf seinem Weg kehrt er ein bei einer verwitweten Frau, die in der herrschenden Not nur noch den Tod sieht: „Ich hab nur eine Handvoll Mehl und nur wenig Öl im Krug. Wir werden es essen und sterben.“
Die Frau sieht keine Zukunft. Wahrscheinlich hat sie wirklich nicht genug zu essen für sich und ihren Sohn. Auf jeden Fall hat sie kein Vertrauen mehr gespürt.


Elia zeigt ihr einen ersten Schritt aus der Krise:
Der Mehltopf und Ölkrug füllen sich. Es ist schon genug für alle da!


Auch nach sorgenvoller Nacht: Die Sonne scheint am Morgen wieder. Der Kühlschrank ist noch nicht leer „gefuttert“.
Allein das Weiterleben erscheint ja selbst den Satten manchmal wundersam!


Die Frau und ihr Sohn können weiterleben.
Dieses erste Wunder findet aber noch keine besondere Beachtung.
Man überlebt so in der Vertrauenskrise, so richtig Leben im Leben ist noch keins zu spüren.


Vermehrung von Mehl und Öl allein überzeugt noch nicht. Verteilungsgerechtigkeit ist eigentlich noch kein Wunder. Es ist eine Notwendigkeit! Es muss noch etwas dazu kommen: Die Beziehungen müssen stimmen: Die Begegnungen von Mensch zu Mensch, von Mensch zu Gott - sie müssen ins Reine kommen. Vertrauen ist das Wunder!


Ohne Brot lebt der Mensch gar nicht. Und die, die wirklich hungern, die brauchen erstmal nichts als Brot zum Überleben!
Mit Mehl und Öl lässt sich aber noch kein Vertrauen backen.
Elia wird für die Witwe und ihren Sohn erst noch zu einem Retter werden. Zu einem Weg zurück ins Leben: Der Sohn liegt plötzlich im Sterben. Nicht wegen Hunger, es war ja nun genug zum Essen da! Vielleicht wird ihm die Luft knapp, weil sich die Krise auf die Brust legt. Eine Vertrauenskrise kann einem den Atem abschnüren. Dann wird es eng, dann fließt irgendwann nichts mehr. Stillstand ist Tod.


Elia versteht jetzt, worum es geht. Nachdem das nackte Überleben gesichert ist, gilt es, wieder Hoffnung zu wecken: Der Sohn der Witwe – er soll doch die Zukunft sichern! Also macht Elia sich an die Arbeit: Das ist nicht einfach. Er kämpft, er ringt. Er fleht seinen Gott an. Beten als Sport! Es braucht manchmal so ein Beten mit dem ganzen Körper, ein Gebet mit Haut und Haar.


Wenn für die Seele auch am Morgen die Sonne nicht zu sehen ist. Wenn das Essen auch keinen Trost bringt. Wenn der ganze Mensch gefordert ist -
dann muss man laufen, oder einen haben, der einen ganz fest drückt. Dann reicht es manchmal nicht mit gefalteten Händen still da zu sitzen. Vielleicht hängt irgendwo ein alter Boxsack auf den man sich stürzen kann? Das kann auch ein Gebet sein!


Mehrmals muss sich Elia auf den atemlosen Jungen stürzen. Es braucht die Nähe, die Überwindung von manchen üblichen Umgangsformen.
Nähe erzeugt Wärme. Wärme ist Energie. Energie bedeutet Leben.
Das Wunder geschieht. Das Leben kehrt zurück.
Der Anfang der Rettung war die Forderung der Frau an Elia! Ihre Erwartung, dass Mehl und Öl noch nicht alles gewesen sein kann.


Ich frage mich, wie das eigentlich wäre, wenn niemand mehr etwas Größeres erwarten würde.
Wenn alle nachts in „Endlos-Grübelschlaufe“ hängen bleiben würden. Wenn niemand mehr einklagen würde, dass es doch wieder Tag werden muss!
Würde dann Gott die Sonne noch aufgehen lassen? Gäbe es dann noch ein Frühstück mit Lieblingsmarmelade, Umarmungen am Morgen und Vogelgesang in der Dämmerung?


Rettung für die, denen wirklich das Brot fehlt, gäbe es dann jedenfalls auch nicht. Denn auch dazu braucht es zuerst Vertrauen. „Es ist genug für alle da“ ist kein moralischer Appell, sondern ein Vertrauenssatz!


Was im Großen gilt, gilt für uns ganz persönlich: Ohne das Vertrauen, den Glauben, die Hoffnung anderer für mich – was wäre meine Lebensgeschichte?


Woran erkenne ich ein Wunder? Die Witwe hat es jedenfalls erkannt:
„Nun erkenne ich, dass du ein Mann Gottes bist“, sagt die Witwe zu Elia. Ihre Angst um die Zukunft ist durchgestanden. In einer Zeit, in der viele nicht wissen, was sie glauben sollen, hat sie ihr Vertrauen wiedergefunden.


Und du und ich? Erkennen wir uns als Frauen und Männer Gottes? Teilen wir Mehl und Öl? Und vor allem: Werfen wir unser Vertrauen auch nach schlechter Nacht in einen neuen Morgenhimmel? So möge es sein!

AMEN

Pfarrer Ch. Knack
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Angesichts des Themas des Sonntags erlaube ich mir ausnahmsweise neben den festgelegten Kollekten auf die Situation des Hungers in Ostafrika hinzuweisen, die in den Medien leider nur sehr wenig beachtet wird. Informationen und Spendenmöglichkeit sind u.a. zu finden auf der Seite: https://www.diakonie-katastrophenhilfe.de/

Ch. Knack


Kollektenhinweis:
Die amtliche Kollekte ist bestimmt für Partnerkirchen unserer Landeskirche in der weltweiten Ökumene. Informationen dazu über das Berliner Missionswerk:
www.berliner-missionswerk.de
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KVA Potsdam-Brandenburg
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BIC: GENODE1BK1 – Verwendungszeck: cod 2004 – Amtliche Kollekte 11.07
Wenn Sie für die eigene Gemeinde spenden möchten, verwenden Sie bitte den Verwendungszweck „2004 Eigene Gemeinde“

 

Bild zur Meldung: © pixabay