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Stillstand

08. 01. 2022

Ein rotes Warnlicht leuchtet plötzlich auf. Die Bahnschranken schließen sich direkt vor mir. Bremsen, Motor aus, Ruhe. Alles steht still. Kurze Pause im Alltag. Ungewollt. Dennoch schön. Ich atme durch. Die Gedanken wollen weiter fließen. Ich zwinge sie zum Stillstand. Auszeit. Ich will diese genießen, will mich nicht der Hast und Eile unterwerfen, in der ich mich oft wie gefangen fühle.

Eine solche Auszeit empfinde ich auch immer „zwischen den Jahren“. Zwischen Weihnachtshoffnung und Neujahrsglanz entsteht eine wohltuende, beruhigende Stimmung. Ein Hauch von Dezembernebel legt sich wie ein Seidentuch über das vergangene Jahr und macht es geschmeidiger.

Es bricht die Zeit an, das Jahr gedanklich Revue passieren zu lassen, sich zu versöhnen mit dem, was eben noch unversöhnlich erschien, Erlebtes gedanklich neu zu beleuchten und nicht Gewesenes ohne Trauer dahingleiten zu lassen, Begegnungen wertzuschätzen und an Menschen zu denken, mit denen kein Kontakt sein konnte, Zukunftspläne zu verwerfen, die so verlockend erschienen, um ganz sanft neue zu schmieden.

Der Zauber des Neubeginns funkelt mit den Sternen um die Wette und das Neuland, das vor uns liegt, scheint makellos und ungetrübt zu sein. Das rote Licht erlischt, die Schranken öffnen sich geräuschlos und geben den Weg frei. Motoren werden wieder gestartet, Räder drehen sich, alles ist wieder in Bewegung, als wäre der Stillstand nie dagewesen.

So wird uns auch das neue Jahr wieder in Bewegung versetzen, wird uns lachen und weinen lassen, uns Freude und Kummer schenken, Begegnungen und Einsamkeit bringen und ab und zu einen erholsamen Stillstand.

 

Silke Ewe

 

Bild zur Meldung: © Prawny / pixabay